Angst vor der Zukunft der Kirche?

– oder die instinktive Tendenz Verluste zu (ver)meiden

„Myopic Loss Aversion“, die Tendenz zur Verlustvermeidung, ist eine verbreitete Anlagestrategie. Menschen neigen dazu, aus (unbewusster) Angst vor möglichen Verlusten vorhandene Chancen zu übersehen und damit ungenutzt zu lassen.

Auch die bei uns anzutreffende Technikfeindlichkeit im Maschinenbau, bei Nahrungsmitteln oder im Bereich der Medizin lässt sich mit der „Loss Aversion“ Option erklären. Mögliche Risiken werden gegenüber den Erfolgschancen überbewertet. Eine Folge ist die eher negative Stimmung. Trotz vergleichsweise guten Bedingungen scheinen bei uns die Ängste zu überwiegen. Das gilt nicht nur für die (große) Politik und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern auch die gesellschaftlichen Entwicklungen – wenn man z.B. an die Veränderungswünsche an die Familie denkt.

Wie ist es um die Zukunft der Kirchen bestellt? In den deutschen Diözesen sind flächendeckend große Veränderungen begonnen worden. Begründet werden sie mit den deutlich sinkenden Zahlen sowohl bei den Gläubigen als auch den Priestern. Der Einfluss der Kirchen und der von ihnen vertretenen Überzeugungen auf die Gesellschaft schwindet.

Die demographische Kurve hin zur schrumpfenden und erkennbar älter werdenden Bevölkerung ist ein Grund für diese Entwicklung. Auch das „Verdunsten“ der religiösen Milieus ist nicht zu leugnen. Diesen echten Verlusten stehen aber auch positive Aspekte gegenüber: statt des (nur) tradierten Glaubens ist die persönliche Entscheidung gefordert. Ohne die stärkere Einbindung der Laien sind die notwendigen Veränderungen (in Kirche und Gesellschaft) nicht zu erreichen. Größere Einheiten (Pfarrgemeinden) werden durch aktive, kleinere Gruppen vor Ort ersetzt bzw. ergänzt. Unsere Freundeskreise kann man in diesem Sinne als Biotope, als kraftspendende Oasen verstehen.

Ecclesia semper reformanda. „Die Botschaft von Gott ist keine Botschaft der Angst“ (Kard. Kasper). Daher:

Keine Angst vor der Zukunft der Kirche (jwb).