„Die katholische Kirche gehört aber noch zu Deutschland“,

hat Burghard Kreft, Vorsitzender Richter am Bundesarbeitsgericht, am 25. April 2013 auf die Einlassung eines Rechtsanwalts geantwortet. Dieser hatte in seiner Klagebegründung auf die sich ständig verändernde „multi-kulturelle Gesellschaft“ und damit auf die aus seiner Sicht schwindende Deutungsmacht der Kirchen verwiesen.

Diese wohl locker gemeinte Antwort des Richters lässt dennoch aufhorchen. Wer erinnert sich dabei nicht an die positive Aussage von Bundespräsident Wulff zur Stellung des Islam in Deutschland?

Müssen wir in Deutschland schon bald die Stellung der Kirchen rechtfertigen? Die Versuche, das kirchliche Arbeitsrecht und das geltende Kirchensteuersystem zu diskreditieren bzw. zu „kippen“, sind erste, ernst zu nehmende Anzeichen.

Um für die zu erwartende sich verschärfende gesellschaftliche Diskussion besser gerüstet zu sein, sollte die Kirche zunächst ihre Haltung in einigen Bereichen (u.a. staatliche Bezahlung einiger Amtsträger, Konkordatslehrstühle) grundsätzlich überprüfen. Zudem würde die interne Einführung bzw. Stärkung demokratieanaloger (synodaler) Strukturelemente die gewünschte gesellschaftliche Akzeptanz erhöhen.
(M. Kehl SJ)

Zur Verbesserung der externen Kommunikation ist darüber hinaus die Bereitschaft zu einem echten Dialog erforderlich. Die Kirche wird für ihre Auffassungen, insbesondere die Wertevorstellungen, nur auf Dauer Verständnis und Akzeptanz finden können, wenn sie sich in den gesellschaftlichen, grundsätzlich offenen Diskurs werbend einbringt. In diesem Prozess haben die katholischen Laien ihren eigenen, nicht an die Amtskirche deligierbaren Auftrag. Diesen hat das Vatikanum II deutlich hervorgehoben und gestärkt.
(jwb)