DIE PFARREI DER ZUKUNFT: Mehr gelebte Subsidiarität könnte helfen

– die Laien müssen stärker eingebunden werden, sie können eigenverantwortlich handeln
– Notwendigkeit der heilsamen „DEZENTRALISIERUNG“ (Papst Franziskus, EG, Nr. 16)

Das Subsidiaritätsprinzip ist ein wesentlicher Aspekt der Katholischen Soziallehre. Die ursprünglich stärker betonten Prinzipien der Solidarität und der Verpflichtung zum Gemeinwohl finden darin ihre notwendige Ergänzung. Subsidiarität beinhaltet das Recht auf Selbstbestimmung und die Pflicht zur Eigenverantwortung auf der jeweils untersten Ebene. Dort sollen die eigenen Angelegenheiten nach den von ihr aufgestellten Grundsätzen geregelt werden. Erst wenn die unterste Ebene dabei an ihre Leistungsgrenzen stößt, wird die nächst höhere Ebene um ihre Hilfe und Unterstützung gebeten.

Alle Bistümer in Deutschland (aber nicht nur dort) befinden sich in starken Veränderungsprozessen. In den angestrebten Umstrukturierungen der Pfarrgemeinden werden diese Neuerungen besonders sichtbar – und nicht selten als schmerzlich empfunden. Bei konsequenterer Anwendung des Subsidiaritätsprinzips müssen die Laien mehr und mehr in diese Prozesse eingebunden werden. Leider ist eine hierarchisch organisierte Kirche leicht „in der Gefahr“, ihre Belange, ihre pastoralen Sorgen, z.B. infolge des fortschreitenden Priestermangels, in den Vordergrund zu stellen. Ohne die ehrenamtlich engagierten Laien würden die Hauptamtlichen schnell an ihre Grenzen stoßen. Die legitimen Erwartungen und die vorhandenen Kenntnisse christlicher Laien – auch ihre „Fehlerfreundlichkeit“ – müssen ausreichend berücksichtigt und genutzt werden. Die ihnen zugemutete – von ihnen oft eher als passiv und unmündig empfundene – Rolle muss dem stark demokratisch geprägten Selbstverständnis der Gläubigen entsprechen. Sie brauchen das Gefühl, das Gemeindeleben effektiv mitbestimmen zu können.

Erschwert wird die notwendige Zusammenarbeit in der Kirche durch die immer noch von ihr in der Praxis (vor-)gelebte Ämtertheologie. Die Aufgabenverteilung zwischen Priestern und – den bei uns theologisch gut ausgebildeten – Nicht-Priestern (Laien?) wird immer weniger plausibel. Die von der Kirche erlaubten Zugangswege (Einschränkungen) zum geweihten Amt werden in den Gemeinden zunehmend hinterfragt. Wo liegen die Prioritäten? Dient das Amt in der jetzigen Form noch dem Wohl der (Nicht-)Gläubigen?(jwb)