„ICH WÜNSCHE MIR EINE ARME KIRCHE FUER DIE ARMEN“

Die gesellschaftliche Eingliederung der Armen

– diesem wichtigen Themenkomplex widmet sich Papst Franziskus ausführlich in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ von 2013 in den Kapiteln 186 ff.

„Gott ist für uns arm geworden, um uns durch seine Armut reich zu machen“ (Benedikt XVI.) „Aus diesem Grund wünsche ich mir eine arme Kirche für die Armen. Sie haben uns vieles zu lehren“ – das sind die viel zitierten Kernsätze von Papst Franziskus. Wie könnte eine praktische Umsetzung dieses Wunsches aussehen? Schon in der Diskussion über die von Papst Benedikt angemahnte „Entweltlichung“ ist gefordert worden, dass die Kirche gerade wegen ihrer Verpflichtung zur permanenten, tatkräftigen Hilfe für die Armen über eine solide, verlässliche Finanzstruktur verfügen müsse.

Eine arme Kirche für die Armen. Diese Formulierung ist von einem Priester auf dem letzten Katholikentag in Regensburg kritisch hinterfragt worden. Sie klinge nach Almosen, nach Herablassung, nach einseitig empfangener Hilfe. Sein Vorschlag (in einem TV-Interview) lautete: „Ich wünsche mir eine arme Kirche mit den Armen“. In diesem mit kommt zum Ausdruck, dass die gesellschaftliche Eingliederung der Armen keine Einbahnstraße ist, sondern nur zusammen mit ihnen erreicht werden kann.

In Südamerika verliert die katholische Kirche seit Jahren regelmäßig Mitglieder an die sogenannten Pfingstkirchen. Ein Grund für diesen Trend könnte sein, dass diese „Sekten“ bei der Hinwendung zu den Armen einen umfassenderen Ansatz pflegen: In Ergänzung der zuerst auch gewährten praktischen Hilfen legen sie großen Wert darauf, zusammen mit den Armen und in ihrer Verantwortung deren Gesamtlage – inkl. ihrer familiären Situation – auf Dauer zu verbessern. Diese Kirchen arbeiten mit den Armen; gemeinsam mit ihnen zeigen sie ihnen Wege in eine bessere Zukunft auf. – Beispiele gelungener gesellschaftlicher Eingliederung wirken attraktiv.

In der katholischen Soziallehre finden sich wertvolle Hinweise für eine dem Menschen zugewandte Umgestaltung der Gesellschaft. Unsere Kirche muss eine belastbare Kombination finden: Zwischen der persönlichen Hinwendung zu den Armen, den Bildungsfernen, den Unterprivilegierten und den Zurückgebliebenen – und der gesamtgesellschaftlichen Anpassung an die sich permanent wandelnden Verhältnisse. Eine kirchliche Pauschalverurteilung dieser Änderungen – z.B. in Folge der fortschreitenden Globalisierung – wäre wenig hilfreich. Soziale Wirklichkeiten entziehen sich einer eng geführten Interpretation,

Die Armen können uns helfen – mit ihnen zusammen können/müssen wir auf der Basis unserer Wertevorstellungen eine neue, menschenwürdige Welt bauen. Dazu hilft auch ihr Gebet. Bei Jesus Sirach (Sir 35:21) steht: „Das Gebet der Armen dringt durch die Wolken. Es ruht nicht, bis es Trost findet. Es weicht nicht, bis der Höchste eingreift“ (jwb).