KIRCHENAUSTRITTE: Die Zahlen steigen weiter an ….

Marx: „Wir erreichen die Menschen mit unserer Botschaft nicht“

217.716: Im Jahr 2014 war die Zahl der Kirchenaustritte bei den Katholiken (24 Mio Mitglieder) so hoch wie noch nie (zum Vergleich 2012: 118.000). Während in den vergangenen Jahren der negative Trend zusätzlich aufgrund bestimmter Einzel-Ereignisse – Mißbrauchsfälle und/oder „causa Limburg“ – wenigstens teilweise erklärt werden konnte, gibt es für die letztjährige Entwicklung keine monokausale Begründung. Anscheinend ist die Bindung an die Kirche insgesamt so brüchig geworden, dass schon kleine Anlässe – z.B. die offenere Mitwirkung der Banken bei dem Einzug der (ohnehin stark umstrittenen) Kirchensteuer – ausgereicht haben, um in diesem weit fortgeschrittenen Entfremdungsprozess („Säkularisierung“) „das Fass zum Überlaufen zu bringen“.

Dass die EKD sogar rund 400.000 Austritte meldet, ist nicht voll vergleichbar: Eine Differenzierung der Gründe wird (bewusst?) nicht angegeben; so enthalten die Zahlen auch „die Austritte durch Todesfall“.

Ganz offensichtlich gelingt es der Kirche immer weniger, glaubwürdig zu erklären, warum gerade ihre Nachricht wirklich eine „gute Nachricht“ (Evangelium) für den einzelnen Menschen ist. Die um sich greifende Orientierungslosigkeit und die damit auch verbundene Sinnsuche wird nicht wirksam aufgegriffen. Die Angebote zum Dialog sind für die Menschen nicht attraktiv genug. Die christliche Botschaft wird von den Betroffenen für sich selbst nicht mehr als lebensdienlich (bzw. lebensrelevant) empfunden. Sie trifft nicht den Kern ihrer Fragen. Allgemein wird in Befragungen zudem der Kirche eine gewisse Rückständigkeit und insbesondere eine zu große Selbstbezogenheit vorgeworfen.

Es wird daher darauf ankommen, möglichst schnell in der Kommunikation Wege zu finden bzw. zu verbessern, die darauf angelegt sind, die für die Fragenden wirklich interessierenden Probleme – und eben nicht nur kirchenintern „spannende“ Themen – aufzugreifen. Einige Bistümer (u.a. Regensburg*) haben zur Verbesserung der Kommunikation mit den Gläubigen, insbesondere den „Karteileichen“,  ein „Hörertelephon“ eingerichtet. Dort können Ärgernisse und ängstliche, zweifelnde Fragen besser ausgesprochen werden. Vielleicht ist das ein guter Ansatz, um die Sorgen und Nöte der Anrufer besser zu verstehen – und dann gezielter auf sie eingehen zu können (jwb).

* Dekan Johann Ammer 0151 – 57 818 237

 

P.S. Ein weiterer Mosaikstein: Nach seriösen Umfragen hat in den letzten Jahrzehnten die Berufsgruppe der Pfarrer und Priester am stärksten an Ansehen und Glaubwürdigkeit verloren; die Quote liegt jetzt bei nur noch 37% – ggü. 48% in 1998 (FAZ 22. August 2015, S. 4).