Lutz Lemhöfer : „Zwischen Sinnsuchern und Seelenfängern“

(Neufassung 2008)
Sekten als Herausforderung der Kirche(n).

1. Was ist eine Sekte?

„Vorsicht Seelenfänger!“ – „Wie Scientology die Wirtschaft unterwandert;“- „Die Offensive der Gurus“; – „Wundertäter, Sekten, Aberglaube“: Solche Schlagseiten auf den Titelseiten der Zeitungen sind heutzutage nichts Ungewöhnliches. Was früher ein Thema von konfessionskundlichen Spezialisten war, erregt heute die Öffentlichkeit. Das scheint erklärungsbedürftig. Denn einerseits werden die Glaubenslehren der großen Kirchen auch von einer wachsenden Zahl ihrer Mitglieder nur noch in Auswahl akzeptiert. Der SPIEGEL, immer dem Zeitgeist auf der Spur, sprach vom „Glauben ohne Kirche“. Nur noch 25% aller Deutschen weiß laut SPIEGEL, was die Christen an Pfingsten feiern, und so sieht die Zeitschrift bereits „die Deutschen auf dem Weg in die heidnische Republik“. Umso merkwürdiger erscheint es, wenn Ketzereien gegenüber einem ohnehin nicht ernst genommenen Dogma eine zunehmend säkularisierte Öffentlichkeit so stark beschäftigen. Denn nach klassischem theologischem und religionswissenschaftlichen Verständnis zeichnet sich eine Sekte dadurch aus, dass sie sich als Minderheit mit abweichender Lehre oder Praxis von einer Mutterreligion getrennt hat: ein innerhalb der Religionsgeschichte völlig normaler Vorgang, dem viele heute bedeutsame Religionsgemeinschaften ihre Entstehung verdanken. Selbst das Christentum ist in diesem Verständnis als jüdische Sekte entstanden, ohne dass an diesem historischen Vorgang irgendetwas anstößig wäre. Freilich bezeichnet der Begriff „Sekte“ immer die Sicht der Mutterreligion und stellt insofern mindestens im Kontext von Judentum, Christentum oder Islam einen Kampf-Begriff dar. „Kaum eine Sekte sieht sich selbst als Sekte an, ihr Selbstverständnis sieht in der Regel anders aus Das Eigentliche der Mutterreligion soll aus dem Verfall wiedergewonnen oder zur Vollendung gebracht werden. Die entstellte Wahrheit soll neu enthüllt, der rechte Weg und die rechte Ordnung der Gemeinschaft aufgezeigt werden. Die wenigen Treuen sollen aus den vielen Lauen gesammelt werden, die Geretteten von den Verlorenen getrennt werden.“
Neben einer neuen Akzentuierung der Lehre, einer neuen Offenbarungsquelle oder einer neuen Propheten- oder Erlösergestalt ist dabei die Exklusivität das entscheidende Merkmal der Sekte. „In der Regel werden nicht nur die Gläubigen, sondern auch Wahrheit und Heil exklusiv beansprucht. Die Sekten sprechen der Mutterreligion ab, dass man in ihr zum Heil gelangen könne, und umgekehrt tut dies vielleicht (nicht immer) die Mutterreligion mit der aus ihrer Sicht verlorenen Gemeinschaft der Ketzer.“
Ein derart sperrig vorgetragener Wahrheitsanspruch passt freilich nicht ins Selbstbild einer Gesellschaft des grenzenlosen religiösen Pluralismus. Dennoch sind es nicht die dogmatischen Wahrheitsansprüche, die den Sekten ein oft ungewolltes öffentliches Interesse verschaffen. Ob die Zeugen Jehovas das trinitarische Gottesbild ablehnen und sich damit in unüberbrückbaren Dissens zur christlichen Ökumene stellen, interessiert weder die Leserschaft noch die Redaktionen der Tageszeitungen. Wenn aber die kompromisslose Ablehnung jeder Blutübertragung (unter irriger Berufung auf Apg. 15) durch eben diese Sekte zum Tod einer Mutter aus einer Zeugen-Jehovas-Familie führt, dann füllt dies über Wochen die Schlagzeilen. Kein Mensch außerhalb von religionswissenschaftlichen Oberseminaren interessiert sich dafür, ob die Lehre der Scientology-Organisation von den 8 Dynamiken des Überlebens sich zu Recht oder zu Unrecht auf die buddhistische Tradition beruft.
Aufmerksamkeit bis helle Aufregung erzeugt vielmehr das Gerücht, eine bestimmte Firma sei von dem für seinen rüden Umgangs- und Führungsstil bekannten Psychokult unterwandert, so dass die erzwungene Anwendung scientologischer Management-Technik zu befürchten sei. Dass die „Vereinigungskirche“ ihren Gründer Reverend Sun Myung Moon als neuen Messias verehrt, der das misslungene Erlösungswerk Jesu zu einem glücklicheren Ende führen könne, ist einer ungläubigen Welt gleichgültig; dass aber dieser Messias dank seiner übermenschlichen Fähigkeiten Ehen zwischen seinen Anhängerinnen und Anhängern nach kurzer Sicht der Passfotos zusammenführt (das sogenannte ‚matching‘), das findet unter dem Stichwort „Massenhochzeit“ Eingang bis in die Zeilen und Bilder der Boulevardpresse. Die abweichende Haltung gegenüber einer klassischen christlichen Dogmatik wirkt heute kaum exotischer als der ernsthafte Glaube an eben diese Dogmatik selbst. Was hingegen Anstoß erregt, ist der Verstoß gegen humanistisch-ethische Standards, die unser Grundgesetz oder mindesten das ihm zugrundeliegende Menschenbild prägen. Diesen Wandel im Verständnis von Sekte hat der Weltanschauungsbeauftragte der Ev. Landeskirche in Württemberg, Hans-Jörg Hemminger, so umschrieben: „Heute gibt es keine religiösen ‚öffentlichen Wahrheiten‘ mehr, auch nicht einen kleinsten gemeinsamen Nenner des Gottesglaubens wie im 19. Jahrhundert. Folglich sind die Sektierer heute für die Öffentlichkeit nicht mehr diejenigen, die vom religiös Anerkannten abweichen. Sektierer sind diejenigen, die von den noch existierenden gemeinsamen Überzeugungen abweichen – und das sind fast nur noch ethische Überzeugungen, die den Umgang mit Menschen betreffen. Unsere Kultur beruht auf einem nicht religiös, sondern ethisch begründeten Humanismus, auf starken Überzeugungen, die festlegen, wie menschlich mit Menschen umzugehen ist und wie ein ‚gutes Leben‘ für einen Menschen aussehen sollte. Begriffe wie Menschenwürde, Menschenrechte, Freiheit, Toleranz, Selbstentfaltung, Selbstverwirklichung bezeichnen die Orientierungspunkte, an denen akzeptables Handeln gemessen wird. Daher bezieht sich der Begriff ‚Sekten‘ in der Umgangssprache immer mehr auf Gruppen, die in Lehre und Praxis systematisch gegen diese Orientierungen verstoßen, die statt Entfaltungsfreiheit Abhängigkeit produzieren, die Menschen zu Intoleranz verleiten usw.“ Diese schleichende Verschiebung von einem dogmatischen zu einem ethischen Sektenbegriff ist zum Verständnis der aktuellen Diskussion von zentraler Bedeutung. Wer heute in der Öffentlichkeit über die Gefahren von Sekten schreibt oder spricht, meint in der Regel eine Gruppierung mit einer autoritären Binnenstruktur, einer überscharfen bis feindlichen Abgrenzung nach außen und einem bis weit ins Private hinein fordernden Zugriff auf die Mitglieder. Gemeinschaften dieses Zuschnitts können sich um religiöse Inhalte und Führungsgestalten scharen, aber auch um psychologische oder politische Inhalte.
Entscheidend ist die Exklusivität, mit welcher der jeweils unterschiedlich begründete Wahrheitsanspruch verfochten wird. Und die öffentliche Angst vor Sekten ist in Wirklichkeit die Sorge vor Ausbeutung, Abhängigkeit und totalitärer Kontrolle. Ein Beispiel aus der Praxis mag die Problematik verdeutlichen: Ein besorgter Anrufer fragte mich am Telefon ob die Mormonen eine Sekte seien. Auf meine Rückfrage erfuhr ich, der Anrufer habe eine Wohnung zu vermieten, und ein durchaus sympathischer Interessent habe im Gespräch erwähnt, er sei Mormone. An eine Sekte solle die Wohnung aber nicht vergeben werden! Ich konnte den Vermieter beruhigen, dass sein Bewerber vermutlich ein ruhiger und solider Mieter sei und „keinen Ärger“ machen werde. Hätte ich – klassisch theologisch – geantwortet, die Mormonen seien natürlich eine Sekte, hätte der Mieter die Wohnung nicht bekommen. Das Beispiel mag verdeutlichen, dass die Unterscheidung zwischen dem theologischen und sozial-psychologischen Sektenbegriff keine folgenlose Spielerei ist. In vielen Fällen können sich diese Begriffe überlappen, in manchen aber auch nicht. Diese Differenzierung gilt es auch bei dem folgenden Überblick über den ‚Markt der Weltanschauungen‘ zu beachten.

2. Sekten in Deutschland – Ein grober Überblick

Der Markt der Sekten und Weltanschauungsgruppen ist schier unübersehbar und außerordentlich wechselhaft. Manche Bewegungen sind kurzlebig und vergehen spätestens mit dem Tod der charismatischen Gründungsfigur. Manchmal schwindet die öffentliche Resonanz eines solches Guru schon nach 1 bis 2 Jahrzehnten zu dessen Lebzeiten (so bei der Divine Light Mission); andere Gruppen wirken über Jahrzehnte im Verborgenen und werden selbst den Fachleuten erst im Zug dramatischer Ereignisse bekannt (so die Sonnen-Templer). Insgesamt definieren sich nach einer von der Bundestags-Enquête -Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ in Auftrag gegebenen Untersuchung 1,2% der Deutschen als Mitglieder oder Sympathisanten einer „neuen religiösen Bewegung“, das sind hochgerechnet 820.000 Menschen. Rechnet man diejenigen dazu, die eines oder mehrere Angebote solcher Bewegungen wahrgenommen haben, ohne sich selbst zur Anhängerschaft zu zählen, hinzu, kommt man, mit allem Vorbehalt, auf eine Zahl knapp unter 2 Millionen Deutschen, die in irgend einer Form mit dem alternativen bis sektenhaften Teil des Weltanschauungsmarkts zu tun haben. Inhaltlich lassen sich auf diesem Markt bei aller Vielfalt vier Schwerpunkte unterscheiden:

2.1 Klassische Sekten

Unter ‚klassischen Sekten‘ verstehe ich Gemeinschaften mit christlichem Hintergrund, die zumeist gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind und bis heute bereits eine kirchenähnliche Organisationsform entwickelt haben. Der entscheidende Unterschied zu den christlichen Konfessionen und Denominationen im Rahmen der Ökumene stellt ihr radikaler Absolutheitsanspruch dar. Sie vermitteln das Heil exklusiv an ihre Gläubigen und verstehen sich als einzig legitime, gottgewollte Gemeinschaft. Anderen christlichen Vergemeinschaftungen sprechen sie das theologische Lebensrecht ab; ökumenische Zusammenarbeit stellt in dieser Logik nur eine Ab- und Aufweichung des wahren Glaubens dar und wird konsequent gemieden. Oft wird mit einem baldigen Einbruch der Endzeit gerechnet. Unterschiedlich ausgeprägt ist das Konfliktpotential der „klassischen Sekten“. Die bekannteste ist zugleich die konfliktträchtigste: die Zeugen Jehovas (168.000). Sowohl die oft als bedrängend empfundene Mission als auch die äußerst rigiden Lebensregeln dieser Gruppe (z.B. das bereits erwähnte Verbot jeglicher Bluttransfusion oder das Verbot der Beteiligung an demokratischen Wahlen) bergen vor allem für „gespaltene“ Ehen und Familien erheblichen Zündstoff. Auffallend sind allerdings einige „Aufweichungen“ gerade in der letzten Zeit. So wird seit Herbst 1996 nicht mehr in den Zeitschriften auf die Generation von 1914 verwiesen, die das Ende der Zeit angeblich noch erleben solle. Entgegen dem früheren Verbot von Wehr- und Zivildienst gilt mittlerweile der Zivildienst als erlaubt. Auch das Bemühen um die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts deutet auf ein Nachlassen der Naherwartung bei den Zeugen Jehovas und auf ein allmähliches Sich-Einrichten im System dieser Welt hin.

Sehr viel weniger im Rampenlicht steht die größte Sondergemeinschaft, die Neuapostolische Kirche (450.000 Mitglieder). Spektakuläre Regeln wie bei den ‚Zeugen Jehovas‘ gibt es hier nicht; wohl klagen im letzten Jahrzehnt verstärkt ehemalige Mitglieder über außerordentlich autoritäre Strukturen sowie ein enges und einschüchterndes Binnenklima; es sind Selbsthilfegruppen entstanden und anklagende Autobiographien wie früher nur bei den ‚Zeugen Jehovas‘. Umgekehrt entstehen im Internet offene Foren von NAK-Mitgliedern mit kontroverser Diskussion, auch eine vorsichtige Öffnung zur Ökumene: ein Schritt oder zwei weg von der „Sekte“.

– Andere klassischen Sekten wie die Mormonen (39.000 Mitglieder) oder die gelegentlich mit Scientology verwechselte Christian Science (Christliche Wissenschaft, 5.600 Mitglieder) weisen zwar alle theologischen Merkmale einer Sekte auf, nicht aber die im Alltag brisanten ethischen Konfliktpunkte. Hinzuweisen ist hier schließlich auf Gruppen und Gemeinden aus dem breiten Spektrum der Pfingstbewegung. Einige – keineswegs alle! – dieser Gemeinden verbinden einen bibelstrengen Fundamentalismus mit einer freihändigen Verkürzung der Christenheit auf die in ihrem Sinn „wiedergeborenen Christen“. Vor allem die großen Volkskirchen gelten bei manchen Pfingstlern als liberal verwässerte Sammlung getaufter Neuheiden. Dieser Trend zu sektenförmiger Exklusivität ist beachtenswert, zumal pfingstlerische Frömmigkeit und manchmal auch deren fundamentalistischer Zungenschlag über die Bewegungen der „charismatischen Erneuerung“ in den großen Konfessionen durchaus Resonanz findet.

2.2 Neu-Offenbarer

Manche der klassischen Sekten, wie etwa die Mormonen, haben ihren Ursprung in einer vermeintlich neuen Offenbarung (hier das Buch Mormon) durch welche die biblische Lehre ergänzt und korrigiert werden soll. Neugründungen dieses Typs gibt es auch heute. Eine der umstrittenen „Jugendreligionen“ der 70er Jahre zählt dazu, die „Vereinigungskirche“ des Koreaners Sun Myung Moon (geschätzte 1.500 erwachsene Mitglieder in Deutschland). Sie fußt auf einer massiven Umdeutung der christlichen Erlösungslehre auf die neue Menschheitsfamilie und den vermeintlichen neuen Messias Moon und seine Ehefrau. Ein stramm konservatives und früher ebenso stramm antikommunistisches Weltbild verschafft ihr Bündnispartner unter konservativen Intellektuellen; die verschleiernde und vereinnahmende Werbung sorgte früher mehr, heute noch vereinzelt für Konflikte mit der Öffentlichkeit. Bedeutender ist heute eine deutsche Neugründung, das „Universelle Leben“ um die selbsternannte Würzburger Prophetin Gabriele Wittek (geschätzte 12.000 Anhänger).
Das angebliche Trance-Medium-Wittek präsentiert nicht nur eine Fülle neuer Offenbarungen, von komplizierten kosmischen Gesetzen bis hin zu konkreten Ernährungs- und Gesundheitsratschlägen. Vor allem die Mitglieder des inneren Kerns, der ‚Bundgemeinde Neues Jerusalem‘, sind eingebunden in ein institutionelles Geflecht von der Wiege bis zur Bahre: Vom Christus-Kindergarten über die Christusschule zur Arbeit in einem Christusbetrieb (dessen Betriebsordnung der Bergpredigt abgelauscht sein soll statt schnödem weltlichem Arbeitsrecht) und gemeinschaftlichem Wohnen. Unter dem Namen ‚Gut zum Leben‘ oder &Mac226;Lebe gesund’ ist vor allem die landwirtschaftliche Produktion des ‚Universellen Lebens‘ auf vielen Wochenmärkten präsent. Ursprüngliche Versuche Witteks, die Kirche für ihr Reformwerk (‚Heimholungswerk‘) zu gewinnen, sind einer außergewöhnlich aggressiven Kirchenkritik gewichen, während umgekehrt Beobachter des ‚Universellen Lebens‘ bei der kleinsten kritischen Äußerung mit einer Springflut juristischer Schritte und Drohgebärden rechnen müssen. Die alternde Prophetin (75 Jahre) hat die Leitung der Gemeinschaft an ein Kollektiv abgegeben; es wird spannend sein zu sehen, ob ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin mit ähnlicher Autorität gefunden wird oder ob die Bewegung vom allgemeinen Esoterik-Markt aufgesogen wird, wie es etwa bei den ‚Sannyasin‘, den Anhängern von Bhagwan/Osho, nach dessen Tode geschehen ist.

Ähnlich strukturiert ist die Gruppe ‚Fiat Lux‘ um das Medium Erika Bertschinger-Eicke, das durch spektakuläre Prozesse um den Tod einiger Anhänger von sich reden machte. Schwerkranke Menschen aus ‚Fiat Lux‘ hatten medizinische Hilfen zu Gunsten esoterischer bis okkulter Heilmethoden von Frau Bertschinger-Eicke (‚Uriella‘) vernachlässigt, ohne dass ein juristischer Schuldnachweis zu führen war. – Auf neue Offenbarungen und Offenbarer berufen sich auch manche stärker durchorganisierten esoterischen Bewegungen wie die Gralsbewegung (2.300 Mitglieder) oder theosophische Splittergruppen, sei es um den angeblich in London verborgen lebenden endzeitlichen Retter Maitreya oder um den Gründer der ‚Universalen Kirche‘ Peter Leach-Lewis, der durch antisemitische Äußerungen Aufsehen erregte. Die Grenze zwischen organisierter spiritistischer Gruppe und dem offenen Esoterik-Markt ist hier oft schwer zu ziehen; beiden gemeinsam ist die Bevorzugung ungeprüfter und unprüfbarer Botschaften aus höheren Welten gegenüber wissenschaftlicher Erkenntnis oder Wahrheitsfindung im gleichberechtigten Diskurs.

2.3 Neue religiöse Bewegungen mit östlichem Hintergrund

Im Zuge der sogenannten ‚Jugendreligionen‘ der 70er Jahre haben sich im Westen missionierende Strömungen des Hinduismus oder Buddhismus (oder auch synkretistische Verschmelzungen beider mit humanistisch-therapeutischen Ideen) etabliert, die damals einen Kulturschock darstellten. Mit ihrem unvermittelten Kulturimport (was etwa Sprache, Kleidung, Ernährung angeht), ihrer Radikalität und ihrer kompromisslosen Abkehr vom bürgerlichen Leben haben sie das ‚Sekten-Image‘ bis heute geprägt. Zugleich haben darin die Erben der antiautoritären Welle einer neue Autorität den Boden bereitet: Spirituellen Meisterinnen und Meister, Gurus, die nicht als Lehrer ihre Schüler zur Unabhängigkeit führen, sondern als Verkörperung des Göttlichen unumschränkte Verehrung und Gehorsam erwarten. Am bekanntesten damals wie heute ist sicher die „Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein“ mit ca. 300 Mönchen und Nonnen in Tempeln; die Zahl der ‚bürgerlich‘ und familiär lebenden Anhänger und Sympathisanten wird auf ca. 2.000 geschätzt. Gerade hier wird allerdings ein Prozess der Öffnung nach außen und Abkehr von unlauteren Werbepraktiken verkündet, der zumindest genauer Beobachtung bedarf. Als Gurus mit universalistischen Anspruch bedeutsam sind weiter der lange in New York lebende mittlerweile verstorbene Inder Shri Chinmoy, der Begründer des Surat Shabd Yoga, Sant Thakar Singh, oder Shri Mataji Nirmala Devi mit dem von ihr propagierten Sahaja Yoga zu nennen. Fragwürdig ist vor allem die bedenkenlose Einbeziehung von Kindern in ausgedehnte Zwangsmeditation (Thakar Singh) oder die propagierte Trennung auch kleiner Kinder von den Eltern zugunsten sekteneigener Schulen (Sahaja Yoga). Während manche in den 70er Jahren florierenden Bewegungen zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft sind (Divine Light Mission), versuchen andere unter Verschleierung ihres spirituellen Hintergrundes auf dem esoterischen Gesundheitsmarkt zahlende Kundschaft zu finden. Das gilt für die ‚Transzendentale Meditation‘ des Maharishi Mahesh Yogi samt der medizinischen Variante ‚Maharishi Ayurveda‘: aber auch für die Anhänger des 1990 verstorbenen Bhagwan Shree Rajneesh, die heute eher mit diversen Seminarengeboten auf dem Psychomarkt in Erscheinung treten denn als geschlossene Bewegung. Mit der Zeitschrift „Connection“ betreiben sie ein Organ, in dem auch kontroverse Diskussionen ausgefochten werden und manche spirituellen Holzwege problematisiert oder auch ironisiert werden.

2.4. Psychokulte

Der alternative Psychomarkt bildet den Mutterboden für den am meisten boomenden Sektor des Weltanschauungsmarkts. Er stellt zugleich dessen am meisten säkularisierte Spielart dar. Erlösung wird hier nicht von transzendenten Mächten erwartet. Viel mehr treten pseudotherapeutische Verfahren mit dem Anspruch auf, das Mängelexemplar Durchschnittsmensch zu einem vollkommenen, glücklichen, erfolgreichen und durchsetzungsfähigen Wesen hoch zu therapieren. Die verborgene religiöse Botschaft (die selten als solche deklariert wird) heißt: Selbsterlösung durch Therapie. Lediglich der aggressivste Anbieter auf diesem Markt, die Scientology-Organisation (laut Eigenangabe 30.000 Mitglieder, laut Verfassungsschutz 5.000-6.000), versucht ihren Geschäftsbetrieb mit dem wallenden Ehrenkleid der Religion zu ummanteln und damit für fachliche Kritik ebenso unzugänglich zu machen wie für die Steuerfahndung. Die Mehrzahl der Anbieter bewirtschaftet zwar Hoffnungen, die früher der Religion vorbehalten waren: „Durchbruch“ zu einem neuen Menschsein (Landmark Education); „grenzenloses Bewusstsein“ (Avatar-Trainung), befreites Menschsein durch befreite Sexualität (Zentrum für experimentelle Gesellschafts-Gestaltung ZEGG). Charakteristisch ist in jedem Fall die unlösbare Gemengelage weltanschaulicher Vorgaben und therapeutischer Versprechungen zum „Ganz-Heil-Sein“. Der konkrete Zugriff auf die Person und ihr Intimleben ist enorm, auch bei Kursen, die unter Umständen vom Arbeitgeber organisiert oder drängend empfohlen werden: Unter dem Stichwort „Eine Erfolgspersönlichkeit entwickeln. Meiner Beobachtung nach kommen diese verschleierten Formen der Selbsterlösung, die den nüchternen Anspruch seriöser Therapie weit hin hinter sich lassen, dem Zeitgeist am meisten entgegen. Sie transportieren in einem weitgehend säkularisierten Umfeld die Botschaft des Gleichnisses vom ‚Schatz im Acker (Mt.13)‘, für den es sich lohnt, allen Besitz und alle bisherigen Bindungen fahren zu lassen. Tatsächlich geht eine subtile Entwertung des bisherigen Lebens mit all diesen Versprechungen einher; und doch bleibt heimlich der alte Maßstab erhalten: Der Erfolg, den auf allen Ebenen zu erreichen in einer Konkurrenzgesellschaft nicht nur Geschäftsziel, sondern Lebensziel sein kann. Nicht umsonst sprach die systemkritischer Neigungen sicher unverdächtige „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 24.10.1997 in Bezug auf Scientology von „Kapitalismus als Religion“.

2.5 Der Esoterik-Markt

Bei den Seminaranbietern wird die Grenze allerdings fließend: Weg von den fest sektenhaft strukturierten Gruppen, bei denen ‚Wahrheits-und Organisationsgrenzen zusammenfallen‘ (Gerhard Schmidtchen), zum offenen Heilungs- und Erlebnismarkt der Esoterik. Auch der ist weltanschaulich durchtränkt; nicht wenige Alternativtherapien setzen etwa das nichtchristliche Denkmodell vom Karma und Reinkarnation stillschweigend voraus. Überhaupt werden gern Elemente westlicher Psychotherapie mit östlicher Religiosität verknüpft, seien es Zen-Meditation, Praktiken des tibetischen Buddhismus oder ursprünglich hinduistisch geprägte Yoga-Techniken. Hinzu kommt die Wiederbelebung alter esoterischer Deute- und Orakeltechniken wie das Stellen von Horoskopen, das Legen von Tarot-Karten oder des chinesischen I-Ging. Zur Zeit nehmen Einflüsse aus dem Spiritismus zu. Über ein vorgebliches Medium ‚gechannelte‘ Botschaften gewinnen Autorität zur Lebensbewältigung, wie in dem populären Programm ‚Ein Kurs in Wundern‘. UFO-Gruppen wie die Santiner-Freundeskreise versprechen heilsamen Kontakt mit Außerirdischen. Aber auch archaische Religionspraktiken werden immer häufiger imitiert, z. B. die Schwitzhütte der Pueblo-Indianer, das indianische Medizinrad oder schamanistische Rituale. In Wochenendkursen ist die geistmagische japanische Heilweise des Reiki zu erlernen. Für die eigenen Wurzeln plädieren dagegen neu-heidnische Gruppierungen wie der Hexenkreis Yggdrasil und versuchen altkeltische Runenkunde und germanische Naturreligion wiederzubeleben. Wer’s christlicher mag, hat auch seine Chance: Heilen mit Kristallen lässt sich auch bei Hildegard von Bingen ablauschen, die im esoterischen Buchladen mindestens so oft vertreten ist wie im theologischen Fachgeschäft. Insgesamt prägend ist eine romantische Rückkehr zu vor- und außerwissenschaftlichen Weisen der Selbsterfahrung, Lebensbewältigung und Zukunftsdeutung. Nicht nur „seelenlose“ rationale Wissenschaft wird verworfen, sondern auch ein Christentum, das gerade in einem mühsamen Prozess innerer Aufklärung seinen Glauben mit natur- und sozialwissenschaftlicher Denkweise verträglich gemacht hatte. Jetzt hat der Zug des Zeitgeists den Wagen mit der ‚Aufklärung‘ gerade von der Spitze ans Ende verbannt…
Das esoterische Marktangebot entzog und entzieht den früheren Jugendreligionen, den Religionsgründern und den Hindu-Gurus im Westen die potentiellen Anhänger. Was sie zu bieten hatten, bieten andere in sozialverträglicherer und offenerer Form. Die meisten ehemaligen Jugendreligionen sowie die alten esoterischen Systeme sind zwar auf diesem Markt immer noch präsent, aber relativ erfolglos. Die Vereinigungskirche stagniert in Deutschland bei mageren 3.000 Mitgliedern, ISKCON hat noch weniger Anhänger und Ananda Marga ist praktisch verschwunden. TM taucht zwar immer wieder mit lautstark verkündeten Projekten in den Medien auf. Taten folgen jedoch selten, und der Kader, der den Kern der Gemeinschaft bildet, scheint nicht zu wachsen. Die der Transzendentalen Meditation zuzuordnende Naturgesetzpartei musste ihre Aktivitäten wegen Erfolglosigkeit einstellen. Das &Mac226;Universelle Leben’ stagniert ebenso wie die’Munies’, und Fiat Lux wird mit der Gründerin Uriella alt und stirbt womöglich auch bald mit ihr. Nur Scientology gelingt es immer wieder, politischen Einfluss geltend zu machen – dies aber nicht durch ihre bescheidenen europäischen Ressourcen, sondern mit Hilfe der starken Mutterorganisation in den USA. Die Zeit der großen, nach außen hin geschlossenen und zumindest im Kern fanatischen Gruppen scheint abzulaufen.
Der Schwerpunkt der Szenen neuheidnisch, esoterisch und fernöstlich geprägter Spiritualität hat sich aufgrund der skizzierten Entwicklung im letzten Jahrzehnt verlagert. Das Feld wird nicht mehr von einigen wenigen Psycholehrmeistern, charismatischen Indern und Religionsstiftern bewirtschaftet, sondern von einer großen Zahl selbst ernannter Erleuchteter, von einer inflationär gewachsenen Zahl von Avataren, esoterischen Lehr- und Lebensmeistern und Trance-Medien, die einen besonderen Zugang zum Göttlichen beanspruchen.
Es gibt typischerweise eine lose Szene von Sympathisierenden, eine Gruppe fester Mitglieder und im Kern der Gemeinschaft eine Elite um die Meisterin oder den Meister herum. Kennzeichnend für die deutsche Entwicklung ist, dass es noch unterhalb dieses Organisationsgrades, eingebettet in das esoterische und neureligiöse Marktgeschehen, immer mehr Gruppen und Grüppchen gibt, die sich in eher familiärer Weise um einen angeblich Erleuchteten scharen oder die ein gewerbliches Kleinunternehmen mit der Hingabe an einen Meister verbinden. Diese Gruppen umfassen weniger – manchmal weit weniger – als 100 Personen, und sie sind nur lokal oder höchstens regional aktiv. Oft gibt es keine schriftliche Selbstdarstellung, keine Internetvorstellung, manchmal noch nicht einmal Veranstaltungsankündigungen oder Flugblätter. Lebensdaten der Meister oder Meisterinnen und Erleuchteten sind nur schwer oder gar nicht erhältlich. Viele haben nie etwas publiziert und scheuen die Öffentlichkeit – ganz im Gegensatz zu den früheren Jugendreligionen und den &Mac226;großen Gurus’ im Westen. Von ähnlichen Entwicklungen berichtet Roman Schweidlenka aus Österreich: „Zur Zeit sind &Mac226;Mini-Sekten’ mit einer Mitgliederzahl zwischen fünf und 25 Personen rund um einen Heiler populär.“

3. Sekten als Herausforderung

Wie soll die Kirche auf diesen vielfältigen, in sich widersprüchlichen, amorphen Zeitgeist reagieren? Soll sie hurtig in die derzeitigen vorderen Wagen wechseln und Reiki oder „Heilen mit Kristallen“ zum Programm kirchlicher Akademien machen? Soll sie Kurse für Erfolgreiche anbieten, damit die smarten Jungmanager nicht von Scientology & Co abgegriffen werden? Oder soll sie, wie im evangelikalen und charismatischen Lager beliebt, auf ungebrochen konservative Evangelisations-Feld-züge und Massenerweckungen setzen? Ich meine, all solche Rezepte greifen zu kurz. Die Kirche muss zunächst auf sehr sorgsame Weise das Sektenproblem zugleich ernst nehmen – und nicht zu ernst nehmen. Drei Punkte sind mir dabei wichtig:
Falsch ist die Vorstellung, der „Kampf um die Seelen“ spiele sich hauptsächlich zwischen den Kirchen und den Sekten ab. Die Mehrzahl derer, die die Kirchen verlassen, landen nicht bei einer Sekte, sondern im freundlichen Niemandsland religiöser Gleichgültigkeit oder religiösen Synkretismus. Schon die in Teil 1 genannten Zahlen belegen, dass „die Sekten“ nicht ständig wachsen, sondern einen etwa gleich bleibenden Teil der Bevölkerung in ihre strenge bis destruktive Loyalität einbinden. Die kirchliche Beschäftigung mit den Sekten hat zu allererst pastorale Ziele und Gründe. Alle kirchlichen Beratungsstellen sind entstanden, weil verunsicherte und verzweifelte Menschen Rat und Information suchten und bei den Kirchen – wo sonst? – Sachkompetenz auch für exotische und unheimliche Formen von Religiosität einklagten. Die Wahrnehmung diese Stellen als „vorgeschobene Artillerie“ der großen Volkskirchen, die auf alles schießt, was sich jenseits der eigenen Mauern bewegt: Diese Wahrnehmung wird zwar von Seiten der spirituellen Szene wie der kirchlichen Konservativen gehegt und gepflegt und manchmal von der liberalen Presse nachgebetet, aber sie ist nachweislich falsch. Die Sekten sind ein Problem der Seelsorge, nicht eine existentielle Bedrohung der Kirchen.

Die Vielfalt und Unübersichtlichkeit der religiösen Landschaft spiegelt vielmehr ein ernsthafteres Problem: den Abbruch volkskirchlicher Tradition. Noch in den 50er, 60er Jahren brauchten junge Leute vor sich und anderen gute Gründe, die angestammte Kirche zu verlassen, in die sie hineingewachsen waren wie in die Staatsbürgerschaft: ohne eigene Wahl, aber wirksam. Heute brauchen diese jungen Leute gute Gründe, in der Kirche zu bleiben, und die fordern sie ganz unbefangen auch ein. Wo sie etwas erfahren, was ihnen wichtig ist und hilft, da sind sie zum Engagement bereit, aber nicht auf Grund bloßer familiärer Tradition. Der Christ der Zukunft wird wissen müssen und sich entschieden haben, warum er Christ ist und nicht Buddhist oder Agnostiker – oder er wird kein Christ mehr sein. Diesen Prozess der bewussten, akzeptierten Umgestaltung von einer traditionsgestützten Volkskirche zu einer selbst-bewussten Minderheitskirche gilt es zu bewältigen. Nicht im Sinne eines trotzigen Fundamentalismus, sondern im Sinne einer „Elementarisierung, das ist eine lebens-dienliche Konzentration aufs Wesentliche. Die eben fehlt uns heute weithin.“ In der Rückbesinnung auf die eigene Identität sieht der Berliner evangelische Theologe Richard Schröder das wichtigste Programm der nächsten Jahre und warnt vor zu viel Marktgläubigkeit: „Vor allem aber muss man sich gegen die Vorstellung wenden, die Kirchen hätten wie ein Warenhaus die Wünsche der Kunden zu befriedigen, und wenn das bisherige Warenangebot das nicht leistet, dann müsse eben das Sortiment ausgetauscht werden.“

Die gegenwärtige Sektendebatte impliziert aber auch eine innerkirchliche Herausforderung. Den ethisch-sozialpsychologischen Maßstab für das, „Was eine alternativ-spirituelle Gruppe zur Sekte macht“ müssen die Kirchen natürlich auch in den eigenen Reihen akzeptieren, wenn sie in der Diskussion ernst genommen werden wollen. Man kann nicht Wahrheitsmonopol und Gehorsamsanspruch beim Guru kritisieren und beim eigenen geistlichen Leiter propagieren. Man kann nicht magisches Denken in der Esoterik kritisieren und zugleich pseudochristlich von „okkulter Belastung“ raunen. Die Diskussion, ob es „Sekten in der Kirche“ geben könne, ist eine Scheindiskussion, sofern sie sich auf dogmatische Korrektheit bezieht. Sie hat ihre Bedeutung, wenn sie die humanistisch-ethischen Maßstäbe des sozialpsychologischen Sektenbegriffs auch in den Kirchen einfordert. „Der Mensch kann Tiere, Bäume, Idole aus Gold oder Stein, einen unsichtbaren Gott, einen heiligen Menschen oder teuflische Führer anbeten; er kann seine Vorfahren, seine Nation, seine Klasse oder Partei, das Geld oder den Erfolg vergöttern; seine Religion kann der Entwicklung von Destruktivität oder Liebe, von Beherrschung oder von Brüderlichkeit förderlich sein; sie kann die Kraft seiner Vernunft stärken oder lähmen. (…) Die Frage lautet nicht: Ob Religion oder nicht?, sondern: Welche Art von Religion?“ Dass die christliche Religion die Menschenfreundlichkeit ihres Gottes widerspiegeln solle, das ist die Herausforderung an die Kirchen, zu der auch die Sektendiskussion einen Anstoß geben kann.
Lutz Lemhöfer
Referent des Bistums Limburg für Weltanschauungsfragen
H.J. Hemminger, Was ist eine Sekte? Mainz/Stuttgart 1995. S.15
Hemminer, a.a.O., S. 16
Zu Unrecht – das betont mindestens die Deutsche Buddhistische Union in ihrer Zeitschrift „Lotosblätter“ !/96
Hemminger, a. a. O., S. 65
Vgl. exemplarisch zu diesem sozialpsychologischen Sektenbegriff M. Th. Singer/ J. Lalich, Sekten – wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können, Heidelberg 1997, sowie weniger dramatisierend, K. H. Eimuth, Sektenratgeber, Freiburg 1997.
Vgl. als eindrucksvollen Bericht von einer „Politsekte“, Der EAP (heute Bürgerrechtsbewegung Solidarität): A. Beyes-Corleis, Verirrt. Mein Leben in einer radikalen Politorganisation, Freiburg 1994,; zu einem sektenhaft vorgetragenen psychologischen Erkenntnisanspruch J. Eifler/ Th. Reile, VPM – die Psychosekte, Reinbek 1995.
Zwischenbericht der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Sogenannte Sekten- und Psychogruppen“, Bonn 1997, S. 35. Die Zahl liegt grob im Bereich früherer vergleichbarer Umfragen, z. B. G. Schmidtchen, Sekten und Psychokultur, Freiburg 1987. Insgesamt sind aber alle quantitativen Aussagen zum Weltanschauungsmarkt angesichts unsicherer Ausgangsdaten mit Vorsicht zu genießen.
In Anlehnung an H. J. Hemminger, Aktuelle Trends auf dem Sekten- u. Psychomarkt, in W. Gross (Hrsg.), Psychomarkt, Sekten, Destruktive Kulte, Deutscher Psychologen Verlag, Bonn 1994.
In vielen Punkten trifft diese Beschreibung auch auf den vorkonziliaren Katholizismus zu; heute wird diese Position katholischerseits so nur noch von den Traditionalisten im Gefolge des verstorbenen Bischofs Lefebvre vertreten. Aber auch innerkirchliche Konservative wie herusgeber und Leserschaft der Zeitschrift „Theologisches“ stehen dieser Richtung mindestens nahe.
Alle im folgenden genannten deutschen Mitgliederzahlen entnehme ich der Statistik in: Idea-Sprektrum 11/96, Inhalt. Erstinformationen zu allen im folgenden genannten Gruppen bietet das Herder-Lexikon der Sekten, Sondergemeinschaften und Weltanschauungen, herausgegeben von H. Gasper/ J. Müller/ F. Valentin, Freiburg
4. Aufl. 1996.
Vgl. dazu K.-H. Eimuth, Die Sektenkinder, Freiburg 1996.
Vgl. zu diesem erst in jüngster Zeit kritisch durchleuchteten Markt: H. J. Hemminger, Eine Erfolgspersönlichkeit entwickeln, EZW-Texte, Information 132, VII/ 1996; C. Goldner, Psycho-Therapien zwischen Seriosität und Scharlatanerie, Augsburg 1997; F. Nordhausen/ L. Billerbeck, Psycho-Sekten, Berlin 1997. Einen Sonderfall bildet der religiös nicht festgelegte, aber in der Binnenstruktur und Außenkontakt durchaus sektenähnliche „Verein für psychologische Menschenerkenntnis“ (VPM). Vgl. dazu Eifler/ Reile, S. Anm. 6.
Vgl. zur psychologisch-wissenschaftlichen Kritik des Esoterik-Marktes C. Goldner (Anm. 12); zur soziologischen Einordnung G. Schulze, Die Erlebnisgesellschaft, Frankfurt 1993, zur christlichen Bewertung etwa M. Widl, Christentum und Esoterik, Graz 1995.
s. Connection 9 u. 10/1997 mit der Titelstory: „Die Seelenfresser. Angst vor den Sekten.“
z. B. G. Besier, Konzern Kirche: Von Ketzern, Kritikern und Sektenschnüfflern. In: Offensive 4/1997 oder K. Löw, Von „Hexen“ und Hexenjägern, Byersbrunn 1993.
R. Schröder: Wissen, was wichtig ist. Die Chancen des Christentums in einer säkularen Welt; in Evangelische Kommentare 1/1998.
Titel eines Faltblattes des Berufsverbandes Deutscher Psychologen BDP.
E. Fromm, Analyse einiger Typen religiöser Erfahrung in: Psychoanalyse und Religion, München 4. Aufl. 1990, hier S. 30f.