MACHTAUSÜBUNG IN DER KIRCHE:

Vertrauensvorschuss der Laien und Machtaskese der Amtsträger als tragende Säulen
Was kann/muß man aus der „causa Limburg“ lernen? Mitbestimmung als verstärkendes Element.

Vertrauensvorschuss durch die Laien und Machtaskese seitens der Träger von Ämtern in der Kirche: Schon vor Jahren hat Pater Medard Kehl SJ diese für die Zukunftsfähigkeit der katholischen Kirche notwendige Kombination angemahnt. Im Bistum Limburg ist seit Jahrzehnten das angestrebte Zusammenwirken von Amtsträgern und Laien in der synodalen Grundordnung geregelt. Gemeinsam erarbeitete kirchliche Positionen waren und sind das Ziel. Leider hat der emeritierte Bischof von Limburg ganz offensichtlich an die mitintendierte die Argumente verstärkende Funktion der Zustimmungserfordernisse durch die synodalen Gremien nicht wirklich geglaubt: Er hat sie nicht genutzt. Im Gegenteil. Sonst wäre nicht zu verstehen, warum er versucht hat, seine Vorhaben unter weitgehender Ausschaltung dieser Gremien durchzuführen. Dass er damit zugleich das notwendige Grundvertrauen der Laien auf lange Sicht nachhaltig erschüttert wenn nicht gar zerstört hat, ist nur eine weitere bedauernswerte Folge seines Verhaltens.

Die Grundstruktur der Kirche ist nicht demokratisch. Einige kirchliche Entscheidungen – insbesondere die Glaubensinhalte betreffende – unterliegen nicht dem Mehrheitsprinzip, sie werden unter Beachtung dogmatischer Grundaussagen getroffen. Demokratische Entscheidungskriterien sind daher zwar nicht voll übertragbar, aber dennoch sollte versucht werden, demokratische Elemente und Vorgehensweisen wo immer in der Kirche möglich einzuführen bzw. zu stärken. Die Gläubigen müssen in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden; das wäre ein erster wesentlicher Schritt. Die echte Mitwirkung der Laien würde zudem helfen, eine größere Transparenz in den Prozessen zu schaffen. Gerade weil die Kirche für ihr Vorgehen in der Welt Akzeptanz erwartet, müsste zumindest im Innenverhältnis ein möglichst hohes Maß an verstärkender Zustimmung vorhanden sein. Nur dann kann man von den Laien erwarten, dass sie ihrerseits – wie es ihr eigener Auftrag ist – die Glaubensinhalte in der pluralen Welt glaubwürdig vertreten.

In vielen Bereichen, z.B. im Arbeitsrecht, bei den Finanzen und den kirchlichen Prozessen, würde die weitgehende Nutzung rechtsstaatlicher Kriterien die Akzeptanz stärken. Machtaskese ist auch hier das Stichwort (jwb).