Toleranz

– Weiterentwicklung vom (geduldigen, passiven) Ertragen zum (aktiven) Heils-Dialog

Bei der Herbstkapitelsitzung im Oktober 2013 in München hat unser CRM-Freund Claude Ozankom einen sehr tiefgründigen Vortrag zu dem Thema „Toleranz und Identität“ gehalten*. In seinen Ausführungen hat er den Begriff der Toleranz um einen wichtigen Aspekt erweitert und vertieft. Er hat dabei von der „Heilsbedeutsamkeit“ sui generis anderer Religionen gesprochen. Für „Zeichen der Zeit“ folgt eine Kurzdarstellung seiner Kerngedanken:

Die Pluralität, die Differenziertheit ist die Signatur unserer Zeit. In einem kontinuierlichen Prozess haben die Gesellschaften sich multikulturell bzw. multireligiös weiter aufgefächert. Aber während dieser Prozess auch von der katholischen Kirche früher eher als Fehlentwicklung und daher als Mangel beschrieben worden ist, der ertragen (tolerare) werden musste, hat sich diese negative Einstellung und Bewertung grundsätzlich gewandelt. Vom Gegeneinander hat man zum Miteinander gefunden, zur Akzeptanz einer notwendig gemeinsamen Pilgerschaft. Heute gilt eine positive Sicht – zu einer Anerkennung als einem „heilsgeschichtlichen Muss“. Der Pluralismus, die Differenzen werden als Chance gesehen. Andere Religionen haben teil an der Wirklichkeit des Reiches Gottes. Nur durch den ernsthaft geführten interreligiösen Heils-Dialog kann – gerade wegen der begrenzten Gotteserkenntnis – der eigene Glauben gereinigt und tiefer verstanden werden.

Heute wird Toleranz als Akt der Freiheit und der inneren Stärke gesehen. Die Pluralitätsfähigkeit ist zu einer kirchlich-theologischen Schlüsselkompetenz geworden. Damit könnte der Weg frei sein zu einer toleranzfähigen Identität unseres Glaubens (jwb).

*vergl. CRM-Mitteilungen 12/2013 S. 10 – 24